Verfasst von am 11. Juni 2010

HTML5 – brauche ich das schon?

HTML5-Quelltext im Editor (Screenshot)

 

Im Moment vergeht kaum ein Tag, an dem die einschlägige Fachpresse oder technikaffine Blogs nicht irgendeine Meldung zum Thema HTML5 veröffentlichen. Das wirft bei mir die Frage auf: Ist eine Investition in HTML5 heute schon sinnvoll für Publikumswebsites?

Insbesondere Video-Webseiten scheinen im Moment reihenweise auf die neue Technologie umzusteigen, angefangen mit Youtube im Januar 2010. Mitbewerber wie Vimeo, Anbieter wie Brightcove (Video-Plattform unter anderem für die New York Times), aber auch Fernsehsender wie CBS folgten sehr schnell – teilweise nur mit mehr oder weniger öffentlichen Tests, teilweise aber auch mit bereits jetzt optional nutzbaren HTML5-Seiten. „Treibende Kraft“ war und ist an dieser Stelle die Veröffentlichung von Apples iPad, das die bisher oftmals für die Video-Wiedergabe genutzte Flash-Technologie nicht unterstützt und – laut Apple – auch künftig nicht unterstützen wird. Keine Videoplattform möchte gern zwei Millionen iPad-Nutzer aussperren! Der plötzliche Ansturm auf HTML5 ist an dieser Stelle daher kein Wunder.

Aber auch jenseits von Video macht HTML5 Schlagzeilen:

  • Google portiert das 3D-Actionsspiel Quake 2 nach HTML5 – eine beeindruckende Technik-Demo, die aber leider im Moment noch nicht für „Normalsterbliche“ benutzbar ist.
  • Apple veröffentlicht ein vielbeachtetes HTML5-Showcase (das allerdings nur im hauseigenen Browser Safari in ganzer Pracht zu sehen ist).
  • Sports Illustrated präsentiert auf Googles Entwicklerkonferenz I/O die Zeitschrift der Zukunft, basierend auf HTML5:

Aber heißt das, dass man jetzt seine Website auf den künftigen Standard umstellen sollte? Jein.

Dagegen spricht, dass die Standardisierung von HTML5 noch nicht abgeschlossen ist und vor allem, dass die Unterstützungen in vielen Browsern noch sehr eingeschränkt bis nicht vorhanden ist. Die meisten Demos, die im Moment zu bewundern sind, funktionieren nur mit modernen Browsern wie Safari, Google Chrome und dem neuesten Firefox. Insbesondere der Internet Explorer unterstützt HTML5 so gut wie gar nicht. Damit macht es momentan keinen Sinn, bei einer Publikumswebsite ausschließlich auf den künftigen Standard zu setzen. Website-Betreiber müssen immer noch Alternativen für ältere, weit verbreitete, Browser anbieten. Diese Herangehensweise – zwei Versionen der gleichen Website – macht schon allein aus Kostengründen in den meisten Fällen keinen Sinn.

Dafür spricht aber definitiv, dass HTML5 die beste Möglichkeit ist, auch Geräte, die nicht Adobe Flash unterstützen – und das sind vor allem Apples iPhones, iPads und iPods–, mit Videos und Animationen zu versorgen. Wer auf seiner Website Videos nur per Flash einbindet, sperrt die Nutzer dieser Geräte aus. In dem Fall macht es Sinn, den überschaubaren Aufwand zu betreiben, die Videos zusätzlich mit HTML5 einzubinden.

Kritisch sollte man Websites betrachten, die Flash für die Navigation einsetzen. Wenn es keine brauchbare Alternative gibt, sind auch diese Websites effektiv nicht nutzbar auf dem iPad. Hier lohnt es sich möglicherweise, die vorhandene Flash-Navigation um eine alternative, auf HTML5 und CSS3 basierende, Navigation zu ergänzen. Dank der neuen Technik ist es jetzt möglich, dem Benutzer fast die gleiche Bedienbarkeit (mit Effekten, Animationen etc.) wie bisher mit Flash zu bieten. Das gilt natürlich besonders für Websites, die ausschließlich auf Flash setzen, wie es zum Beispiel bei Filmen üblich ist. Ich gehe fest davon aus, dass wir in den nächsten Monaten gerade bei Film-Websites ein paar spannende HTML5-Anwendungen sehen werden.

Screenshot Film-Website auf dem Desktop

Film-Website auf dem Desktop

Screenshot Film-Website auf dem iPad

Die gleiche Website auf dem iPad

 

 

 

 

 

 

 

Fazit: Ob eine Investition in HTML5 heute schon sinnvoll ist, hängt im Wesentlichen davon ab, ob man auch iPad/iPhone-Benutzer erreichen möchte. Dann sollte man möglichst schnell HTML5-Alternativen für Flash-Elemente und -Videos vorsehen. Ansonsten spricht aufgrund der mangelnden Browser-Unterstützung im Moment nicht viel dafür, eine bestehende Publikumswebsite auf HTML5 umzustellen. Wenn man allerdings einen (Re-)Launch plant, sollte HTML5 unbedingt schon berücksichtigt werden. Die Browser werden sich voraussichtlich schnell weiterentwickeln und auch die Nutzer von iPads und ähnlichen Geräten werden stark zunehmen. Allerdings darf man dabei nicht den Internet Explorer von Microsoft vernachlässigen, der voraussichtlich auch in der nächsten Version (9) noch deutliche Lücken in der Unterstützung aufweisen wird. Die kann man aber bei sorgfältiger Planung größtenteils umschiffen.